Für 90 Minuten konnten die Schüler*innen der IB Beruflichen Schulen am heutigen Montag (21.10.2019) dem Schulalltag entkommen. Der Grund war ein besonderer Gast, der Polizist und Autor Fadi Saad. Dank der Unterstützung des Europäischen Sozialfonds Baden Württemberg und dem Friedrich-Bödecker-Kreis Baden-Württemberg konnte dieser unvergessliche Besuch im Rahmen des Frederick Tags – dem landesweiten Literatur-Lese-Fests möglich gemacht werden.

Geplant war, dass Fadi Saad aus seinem Buch „Der große Bruder von Neukölln“ vorliest, dazu kam er allerdings bei den interessierten und neugierigen Schüler*innen kaum. Vielmehr ließ er die Schüler*innen an seinem bewegten Leben teilnehmen und konfrontierte sie mit den großen Fragen des Lebens. Wer bin ich? Woher komme ich? Als ältester Sohn einer palästinensischen Familie wuchs er mit acht Geschwistern in Berlin auf. Was bedeutet es ein Deutscher zu sein? Er selbst nennt sich Deuraber, um seine Herkunft zu bezeichnen. Und welche Rolle spielt es, wenn man der große Bruder ist?

Auch über Religion wurde gesprochen. Was verbindet das Christentum mit dem Judentum und dem Islam? Diese abrahamischen Religionen haben mehr gemeinsam als man im ersten Moment glaubt. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang waren für Fadi Saad die Rollenbilder von Mann und Frau. Gehören Frauen wirklich an den Herd? Darf ein Mann einer Frau überhaupt etwas verbieten? Und was sagt z. B. der Koran dazu? Was bedeutet es in diesem Zusammenhang, wenn man von Ehre spricht? Sensibel, geschickt und um Worte bemüht zeigte er auf, was der Koran sagt und was viele Menschen denken und welche Vorurteile sich hier verstecken. Sicherlich nicht nur für die Schüler*innen ein aufregender Blick auf Stereotype und Vorurteile über Religion und Rollenklischees.

Überhaupt: Es ging viel über (kulturelle) Unterschiede. Warum ist die palästinische Mutter enttäuscht, wenn ihr Sohn eine Deutsche heiraten will? Und warum bricht für die deutsche Mutter bei einem Araber als Schwiegersohn die Welt zusammen? Gelacht werden durfte dabei viel, besonders wenn Fadi Saad seine eigene Geschichte erzählte. Als er seiner Mutter sagte, dass er eine Deutsche heiraten will, erfuhren alle, wie Mütter auf arabisch oder türkisch fluchen können. Oder wie hartnäckig er sich um den Polizeidienst bewarb (und es am Ende schaffte). Bei allen Klischees war bewundernswert, wie sehr Fadi Saad auf die Details geachtet hat und auf Verallgemeinerungen der Zuhörer*innen hingewiesen hat. Es gibt nicht die Deutsche und den Araber. Es gibt in allem nur den Menschen. Sprich für dich selbst war die Botschaft, die er damit vermitteln wollte.